Von:
Iris Volk

e-abschied.de

„Es muss das Herz bei jedem Lebensrufe / bereit zum Abschied sein und Neubeginne“ schreibt Hermann Hesse in seinem Gedicht „Stufen“. Es muss – obwohl es oft nicht will. Hat man sich doch gerade eingewöhnt, hat sich kennen gelernt, hat seinen Platz gefunden. Wie bequem und einfach wäre es, wenn man da bleiben könnte, wo man ist. Stattdessen heißt es Abschied nehmen – und auf den Abschied folgt immer auch ein Neubeginn.

Der macht oft alles noch schlimmer. Plötzlich ist das Leben nicht mehr so wie es war. Man muss alte Gewohnheiten aufgeben, sich auf Neues einstellen, sich umstellen. Am Anfang ist das vielleicht sehr schwierig. Die Nachteile der neuen Situation scheinen zu überwiegen.

Doch das Neue ist auch eine Herausforderung, die es zu meistern gilt. Die wir meistern können und sollen. Wie langweilig wäre doch ein Leben, in dem nichts Neues passiert! Wäre es überhaupt ein Leben? Der Dichter Klaus-Peter Hertzsch bezweifelt das, wenn er in einem Kirchenlied schreibt: „Vertraut den neuen Wegen / auf die der Herr uns weist. Weil Leben heißt: sich regen / weil Leben wandern heißt.“

Leben ist Bewegung und damit Abschied von Orten, Dingen und Menschen, von denen man sich wegbewegt. Manchmal ist dieser Abschied eine Erleichterung – wie damals, als die Israeliten Ägypten verließen. Wenn der Abschied aber schwer fällt, ist da doch eine Hoffnung: dass der Herr uns auf die neuen Wege weist, wie Klaus-Peter Hertzsch geschrieben hat. Wir können hoffen, dass der Weg einen Sinn hat. Und wir können hoffen, dass Gott uns auch dann begleiten wird, wenn der Weg steinig und eng wird.

Dann steht nicht mehr der Abschied im Vordergrund, sondern der spannende Neubeginn. Und der macht das Leben erst so richtig lebendig. Das glaubt auch Hermann Hesse: „Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne, / der uns beschützt und der uns hilft zu leben."